Hans

Alfred Drofer - "fremd"

 

Am Freitag, 14. September gastierte Alfred Dorfer im Kulturzentrum Leibnitz.

Andrea Zefferer, Leibnitz-Aktuell-Mitarbeiterin, hat Alfred Dorfer nach der Aufführung zu einem Interview getroffen. Hier erzählt er von seiner Beziehung zur Steiermark, was Improvisation ausmacht und warum soziales Engagement zum Beruf des Kabarettisten gehört:

 

Steht der Titel am Anfang eines Programms oder kristallisiert er sich erst im Lauf des Arbeitens heraus?
Bei „fremd“ war lustigerweise der Titel zuallererst da. Ich wusste, dass ich dieses Stück „fremd“ nennen möchte und dass es um Bilder geht.

Warum sollte es „fremd“ heißen?
Ist mir eingefallen. Kann ich gar nicht begründen. Ein paar Leute haben gesagt, dieser Titel sei sehr negativ. Ich finde fremd eigentlich überhaupt nicht negativ. Ich finde, dass „fremd“ zwei Seiten hat. Natürlich gibt es Dinge, die sind einem fremd, und die beunruhigen einen. Aber wenn einem etwas fremd ist, heißt das auch, dass es ein hohes Lernpotential besitzt. Eine fremde Stadt schaut anders aus als die Stadt, die man kennt. Beides hat seine Qualitäten, aber die Horizonterweiterung ist beim Fremden, glaube ich, größer, leichter möglich.

Zum Teil beziehen Sie sich in Ihrem Programm auf aktuelle Ereignisse. Inwiefern müssen Sie da im Laufe der Zeit nachjustieren?
Das Programm entwickelt sich mit der Zeit. Wenn mich etwas beschäftigt, wie die Regierungsbildung, die Wende damals oder die Eurofighter-Geschichte, dann baue ich das ein.

Wenn man die erste und die letzte Vorstellung vergleicht: Wie sehr unterscheiden sie sich?
Ich verwende immer die gleichen Bilder, Bildikonen, die wir alle kennen. Die Geschichten, die sich an dem festmachen, können sich nicht verändern. Insofern ist das Stück „fremd“ fast eher ein Theaterstück als ein Kabarettprogramm.

Improvisieren Sie gerne im Rahmen eines Programms?
Ja. Bei Improvisation fängt das Stück zu leben an.

Das gilt wahrscheinlich auch für das Zusammenspiel mit Günther Paal?
Ja. Wir haben ein Gerüst, das hält. Und dann kommt es darauf an, wie das Publikum reagiert. Manchmal brauchen die Leute länger, bis sie auf den Zug aufgesprungen sind, manchmal sind sie sofort da, manchmal gibt es Durchhänger, wo man sagt, aha, da sind sie jetzt stiller - z. B. bei den Twin Towers. Viele denken, das hat in einem Kabarettprogramm nichts verloren. Ich teile diese Meinung nicht. Für mich ist das Ganze eine musikalische Geschichte. Das ist wie ein Rhythmuswechsel, auf den man reagieren kann. Eigentlich ist es für mich dem Konzert näher als dem Kabarett.

Woher nehmen Sie Ihre Informationen – vor allem aus den Medien oder aus der Beobachtung anderer Menschen?
Beides. Ich beobachte Menschen, aber nicht mit Aversion. Ich geh von einer Grundsympathie für sie aus. Ich bin kein Misanthrop, wohl kritisch, aber im Grunde genommen ist die menschliche Schwäche für mich liebenswert.

Merken Sie Unterschiede zwischen dem Publikum am Land und in der Stadt?
Grundsätzlich net. Es gibt höchstens Unterschiede in der Reaktion des Publikums – sagen wir in Vorarlberg zum Burgenland. Es gibt regionale Unterschiede, aber es gibt meiner Ansicht nach keinen Unterschied zwischen Stadt und Land.

Was unterscheidet die Steirer von Wienern oder Vorarlbergern?
Die Steiermark ist das Bundesland, in dem ich nach Wien am öftesten spiele. Das hängt damit zusammen, dass ich schon als Kind hier oft Urlaub gemacht habe und zu diesem Bundesland eine spezielle Verbindung habe. Was ich hier mit Essen verbinde, mit Menschen, mit Dialekt, ist mir sehr nahe. Aus welchem Gründen auch immer, weil ich kein Steirer bin (Anm.: Wiener). Ich mag es einfach, deswegen bin ich nicht objektiv und kann nicht sagen, was die Steirer ausmacht.

Sie haben vor kurzem Ihr Studium der Theaterwissenschaften und Germanistik abgeschlossen. Wieso?

Es war für mich eine leere Stelle in der Bio. Ich habe im Alter von 24 kurz vor Ende das Studium abgebrochen. Das war Dummheit, weil die zehn Semester an der Uni somit für nichts waren. Vor zweieinhalb Jahren ist mir das wieder eingefallen. Die Diplomarbeit hat mich wieder begonnen zu interessieren, weil die Uni für mich eine berufliche Option gewesen wäre.

Sie engagieren sich auch karitativ. Mit welcher Motivation?
Diese karitative Geschichte gehört zu dem Beruf, den ich habe, ganz normal dazu. Ich glaube, sich auf die Bühne zu stellen für zwei Stunden und die Dinge zu kritisieren, aber in der Realität nichts dazu zu tun, dass sie besser werden, ist zu wenig.